Exponat "Aus dem Depot"

Wer traut sich....

Wer traut sich mit Graviermaschine und warum wurde die Maschine zum Exportschlager?

Eine Gravur die zum Anlass einer Ehe gefertigt wird, verleiht dem Ring eine Personalisierung und macht das Schmuckstück einzigartig. Schon in der Antike wurde der Spruch „Pignus amoris habes“, welcher so viel bedeutet wie „Du bist meiner Liebe Pfand“, in Trauringe graviert. Heutzutage fallen die Gravuren ausgelassener aus: Liebeszitate, Tag der Eheschließung und Namen oder Initialen der Ehepartner sind gängige Gravuren in Trauringen.

Mit der Trauring-Gravier-Maschine Cardan D.R.P. aus der Museumssammlung konnte die Innenseite von Trauringen mit Schablonen graviert werden. Alleine der Werbespruch drückt die Eigenschaften der Maschine aus: „Die vorzügliche, die billige, die verblüffend arbeitende und leicht zu handhabende Maschine.“ Erfunden, hergestellt und patentiert wurde sie im Jahre 1931 von Johann Peter Hartfuß, der in der Region um die saarländische Stadt Merzig als „genialer Tüftler“ bezeichnet wurde. In einer ehemaligen Öl- und Getreidemühle aus dem 18. Jahrhundert gründete er 1927 eine feinmechanische Werkstatt, in der Maschinen und Werkzeuge für Juwelier- und Uhrmachergewerbe hergestellt wurden.

Hartfuß konnte mit seinen hergestellten Maschinen im Ausland hohes Ansehen gewinnen. Trotz großer Konkurrenz war es ihm und seinen Mitarbeitern möglich, seine Erfindungen – besonders die Graviermaschine – in die ganze Welt zu verkaufen. Das einzigartige an der Trauringgraviermaschine war die vereinfachte Funktionsweise. Für die Bedienung musste man weder gelernter Graveur sein noch eine besondere Ausbildung haben. In kürzester Zeit konnten gleichmäßig gute Gravuren angefertigt werden.

Die ehemalige feinmechanische Werkstatt von Johann Peter Hartfuß ist heute noch in den historischen Gebäuden in Merzig vorzufinden – sie wird seit 1997 als „Feinmechanisches Museum Fellenbergmühle“ geführt. Die Maschinen und Gerätschaften, die Hartfuß und seine Nachfolger einst selbst in Betrieb hatten, sind dort ausgestellt und noch funktionstüchtig.
Auch im „Feinmechanischen Museum Fellenbergmühle“ befindet sich eine Trauringgraviermaschine, wie sie in der Sammlung des Museums Industriekultur Osnabrück zu finden ist. Hier ist sie allerdings noch in Aktion: Wer sich traut, kann sich im Museum das Ja-Wort geben und seine Initialen in wenigen Minuten in die Trauringe gravieren lassen.

Text und Foto: Isabel Jannack

 

Der Text ist in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Osnabrücker Wissen" erschienen:

 

Diese Webseite verwendet Cookies um alle Funktionen voll nutzbar zu machen und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Für weitere Informationen schauen Sie in unsere Datenschutzerklärung.
Zustimmen