Kooperationsvereinbarungen mit Schulen

„Voll spannend“ Schule im Museum

Museum Industriekultur und IGS Osnabrück seit vier Jahren mit außergewöhnlicher Bildungspartnerschaft – Künftig
lernen auch Pyer GrundschĂĽler im Ausstellungshaus.
 
Lieber in die Schule oder lieber ins Museum? Keine Frage: Wenn die Mädchen und Jungen der Integrierten
Gesamtschule OsnabrĂĽck (IGS) die Wahl haben, sitzen sie natĂĽrlich lieber nicht im Klassenzimmer. Weniger Lernstoff
müssen sie deswegen aber nicht bewältigen, ganz im Gegenteil: Besuchen die Mädchen und Jungen das Museum
Industriekultur, findet ihr Unterricht nur einfach nicht in der Schule in Eversburg, sondern in dem Ausstellungshaus
auf dem Piesberg statt – und es wird mit ganz anderen Mitteln gelernt.
 
Alle Klassen der IGS gehen (mindestens) einmal jährlich in das Museum Industriekultur, wo ergänzend zum Lehrplan
die Unterrichtsinhalte aus Fächern wie Natur- und Erdkunde, Biologie/Physik und Geschichte mit Exkursionen,
Versuchen und Ausstellungsbesuchen vertieft werden. Themen und Inhalte der Museumstage sind genau auf den
Stoff abgestimmt, den die Schüler in den jeweiligen Fächern ohnehin bewältigen müssen. Dabei werden sie von ihren
Lehrern sowie Biologen und Museumspädagogen angeleitet, die das Haus auf dem Piesberg stellt.
 
Das Museum Industriekultur und die IGS arbeiten bereits seit 2011 in einer festen Kooperation zusammen. Das
Lernbündnis wurde zunächst mit den fünften und sechsten Klassen gestartet und anschließend jeweils nach den
Sommerferien in eine neue Jahrgangsstufe ausgeweitet. Die Mädchen und Jungen aus der 9e, die sich jetzt bei
einem Museumstag auf dem Piesberg mit dem „Ökosystem Teich“ befasst haben, waren bereits zum vierten Mal in
einer solchen vertiefenden Lerneinheit dabei. „Das hier ist voll spannend. Und es macht viel mehr Spaß als normaler
Unterricht, weil man ja wirklich sieht, worum es geht“, meinten Josie, Tabata, Ines und Gemma.
 
Die vier 15-Jährigen zählten gerade die Lebewesen in einer Gewässerprobe aus, die sie in einem Naturteichareal des
Museums am Piesberg entnommen hatten. Es ging darum, Flora und Fauna der acht Teiche zu vergleichen. Ein, wie
sie meinten, etwas „glibberiges“ Tier, dem sie den Namen Olaf verpasst hatten, identifizierten sie schließlich durch
die Punkte am Bauch als Teichmolch. Ganz ohne Kreischen, wie es von Mädchen in diesem Alter, schon geschminkt
und mit schön gemachten Fingernägeln, vielleicht zu erwarten gewesen wäre, nahmen sie Olaf dann sogar auf die
Hand. „Das ist zwar auch ein bisschen ekelig, aber vor allem interessant. Ich finde es nur gemein, dass in der
Tierwelt die Männchen oft viel hübscher als die Weibchen sind“, meinte Gemma.
 
Die IGS-Lehrerinnen Katrin Gatter und Wiebke BrĂĽggemeier, die mit der 9e auf Exkursion waren, berichteten von
vielen guten Erfahrungen mit dem ergänzenden Unterricht im Museum. „Es löst immer Aha-Effekte aus, wenn die
Schüler hier etwas sehen und anfassen und dadurch begreifen können. Viele unserer Schüler kommen ja auch aus
einer städtischen Umgebung, in der sie sonst nur wenige Berührungspunkte mit Natur haben, so dass solche
Untersuchungen und Versuche wie heute ohnehin interessant für sie sind“, meinten die Lehrerinnen. Neben ihnen
begleiteten die Museums-Biologinnen Angelika Rohde und Sabine Pankoke die SchĂĽler.
 
Das Museum Industriekultur, das als einziges OsnabrĂĽcker Ausstellungshaus eine solche feste Partnerschaft mit einer
Schule betreibt ist, baut zurzeit noch eine weitere derartige Zusammenarbeit auf. Ab dem Sommerhalbjahr läuft
auch für die Mädchen und Jungen der Grundschule Pye regelmäßig vertiefender Unterricht im Museum. „Wir sind
gerade dabei, die Inhalte zu erarbeiten. Es wird zum Beispiel um das Thema ‚Von Korn zum Brot’ gehen. Bei uns
zeigen wir den Mädchen und Jungen, wie sie Getreidearten unterscheiden können, lassen sie mahlen und Brot
backen“, erklärte Jan Tönnies, der im Museum Industriekultur für die museumspädagogischen Angebote zuständig ist
und auch die Inhalte der Unterrichtsblöcke mit den Lehrern ausarbeitet.
 
Nach den Worten von Tönnies werden die Programme der Schultage im Museum in enger Zusammenarbeit von
Lehrern und dem Team des Ausstellungshauses erarbeitet. „Das ist relativ aufwändig, weil es ja darauf ankommt,
wirklich genau die Unterrichtsthemen bei uns aufzugreifen und es so aufzubauen, dass es in der Schule gut vor- und
nachbereitet werden kann. Wir sitzen auch im laufenden Betrieb regelmäßig zusammen und überlegen, ob sich
etwas noch besser machen und oder anders aufbereiten lässt“, so der Museumspädagoge.
 
Wie Tönnies berichtet, setzt sich die Kooperation mit der IGS noch in einer Arbeitsgemeinschaft fort, die er
wöchentlich an der Schule leitet. Auch die AG-Inhalte sind auf die Besuchsprogramme abgestimmt. Zurzeit werden
im Museum die Themen „Nahraumerkundung“ (Jahrgang 5, mit Erkundungen des Stadtteils per GPS-Navigation),
„Heilpflanzen“ (Jahrgang 6, mit Kochen eines eigenen Hustensafts),  „Neophyten“ (Jahrgang 7, mit Bestimmung
eingewanderter Pflanzen), „Industrialisierung“ (Jahrgang 8, u.a. Arbeitsaufträge im Museum), „Amphibien“ (Jahrgang
9, Gewässeruntersuchungen) behandelt. Das Programm für die 10. Jahrgangsstufe wird gerade ausgearbeitet.
 
Wie Tönnies und Margret Baumann, die Pressesprecherin des Museums Industriekultur erklärten, stand die
Nachbarschaft am Anfang der Überlegungen für die feste Zusammenarbeit mit den Schulen. „Wir sind ja nur ein
kleines Haus und können nicht zu allen Themen solche Unterrichtseinheiten mit Schulen erarbeiten. Aber mit der
IGS und der Grundschule Pye bot sich eine Zusammenarbeit geradezu an, weil sie im Bereich der Nahraumerkundung
viele Themen durchnehmen, die bei uns Museum ohnehin im Mittelpunkt stehen und deswegen gut vertieft werden
können“, so Baumann.
 
Zu den Zielen der Lernpartnerschaft gehört es nach den Worten von IGS-Schulleiter Stefan Knoll, dass
Unterrichtsstoffe mit mehr PraxisbezĂĽgen besser begreifbar gemacht werden sollen. Gleichzeitig soll, wie Rolf
Spilker, der Direktor des Museums Industriekultur, beim Start deutlich machte, auch die Informations- und
Medienkompetenz der Mädchen und Jungen gestärkt werden – und es soll ein Zugang zum Besuch von
Ausstellungshäusern gelegt werden.