Piesberger Gesellschaftshaus

Der Bau des Piesberger Gesellschaftshauses geht auf die Anregung des beim Bergwerk Piesberg beschäftigten Bergmanns Sinnemann zurück. 1870 bat er den Magistrat der Stadt Osnabrück ihm auf Pachtbasis ein entsprechendes Gebäude zu errichten. Da der Besuch der fertig gestellten Bergwerksanlagen „von Städtern und Geschäftsleuten bedeutender geworden“ sei, so führte er aus, möchte er sich dort als „Restaurateur“ etablieren. Überzeugt von dem Plan stimmte die Stadt zu und errichtete zusammen mit dem Direktionsgebäude das „Restaurationsgebäude am Hasestollen“.

Ein frühes Zeugnis über die Festkultur der Bergleute am Piesberg dokumentiert, dass die „Restauration“ gut ankam. So ist einem Bericht des „Osnabrücker Anzeigers“ über das Bergfest des Jahres 1873 zu entnehmen: „Wir können den Verlauf nur im Allgemeinen skizzieren, da die wirklich colossale Menge der Festteilnehmer, von denen Osnabrück bei der diesmaligen bequemen Fahrgelegenheit ein bedeutendes Contingent stellte, die Ueberfüllung aller Festlocale sowohl wie auch der Anlagen der nahe gelegenen Sinnemann`schen Restauration, das Drängen und Treiben auf dem Festplatze eine Beachtung von Einzelheiten unmöglich machte“. Mit der bequemen Fahrgelegenheit, war die Einrichtung eines Sonderzuges gemeint, der von Osnabrück aus direkt zum Zechenbahnhof fuhr.

Mit den Jahren nutzten immer mehr Vereine das Piesberger Gesellschaftshaus als Vereinslokal; dazu zählte u. a. das Piesberger Bergmusikcorps. 1896 ließ der Georgs- Marien- Bergwerks- und Hütten - Verein neben der „Restauration“ einen geräumigen Saalbau errichten. Auch nach der Zechenschließung (1898) blieb das Piesberger Gesellschaftshaus ein beliebtes Fest- und Ausflugslokal für die Osnabrücker Bevölkerung.

Anfang der 1960er Jahre musste der Saal wegen Baufälligkeit geschlossen werden, der Gaststättenbetrieb wurde bis in die 1970er Jahre weitergeführt. Das Gebäude wurde dem Museum Industriekultur von der Firma Klöckner Durilit bis zum Jahre 2005 zur Nutzung überlassen und es waren hier Büro und Depot des Projektes Museum Industriekultur untergebracht. Im Februar 1987 zeigte das „Projekt Museum Industriekultur Osnabrück“ anläßlich des Jubiläums „150 Jahre Eisengießerei Weymann“ hier die erste Ausstellung.

Ab 1987 restaurierte das Museum Industriekultur Osnabrück, das Gebäude grundlegend und richtete den historischen Festsaal mit Mitteln der Stadt Osnabrück, der Sparkassenstiftung und freien Maßnahmen, z.B. der Handwerkskammer Osnabrück wieder her.

1993 startete gemeinsam mit dem Museum, der Stadt OsnabrĂĽck und dem Kulturzentrum Lagerhalle ein Pilotprojekt mit dem Ziel Kneipen- und Industriekultur zu verbinden und im Saal des Piesberger Gesellschaftshauses unterschiedliche Kulturveranstaltungen durchzufĂĽhren. Am 24. Januar 1993 fand die erste Vorstellung im Saal statt.

Im August 1994 grĂĽndete sich der Kulturverein "Piesberger Gesellschaftshaus" der die Kulturveranstaltungen im Saal des Piesberger Gesellschaftshauses plante und durchfĂĽhrte.

Am 2. und 3. Oktober 1994 wurde das Museum Industriekultur Osabrück mit zwei Gebäuden - dem Haseschachtgebäude und dem Piesberger Gesellschaftshaus - eröffnet.

Seit 2004 befindet sich das Haus im Besitz der Stadt Osnabrück und wird vom Kulturverein "Piesberger Gesellschaftshaus" betrieben. In den Kellerräumen unterhält das Museum Industriekultur bis heute eine historische Druckwerkstatt mit einem museumspädagogischen Angebot.