Exponat "Aus dem Depot"

Was trank der deutsche Mann 1960?

BierkrĂĽge der OAB

Als die OAB 1960 ihr 100-jähriges Jubiläum feierte, war die Welt - soweit es das Biertrinken betraf - noch weitgehend „in Ordnung“. Die statistische Kurve, die jährlich den bundesdeutschen Bierkonsum anzeigte, verlief stetig nach oben (1950: 35,6 Liter pro Kopf; 1960: 94,7 Liter; 1970: 141,1 Liter) und nach der Arbeit fand die physische Reproduktion des deutschen Mannes noch häufig in der Gaststätte statt. FĂĽr die OAB gab es also etwas zu feiern. Und so erstreckten sich die Jubiläumsfestlichkeiten („Die OsnabrĂĽcker Bier-Festwoche“) ĂĽber eine ganze Woche, nämlich vom 10. bis zum 18. September 1960. Eine der Attraktionen war ein sonntäglicher Festumzug, der vom Ledenhof zur Halle Gartlage fĂĽhrte, wo es ein groĂźes Festprogramm mit zwei Musikkapellen und TheaterauffĂĽhrungen gab. Tauschbörsen fĂĽr Bierdeckelsammler, Betriebsfeiern OsnabrĂĽcker Unternehmen und Familienabende rundeten das Wochenprogramm ab. Selbstverständlich fanden sich auf den Tischen die eigens zum Jubiläum zu Tausenden hergestellten BierkrĂĽge aus Steingut (siehe Abbildung).
Inzwischen gibt es die OAB nicht mehr, der Bierkonsum ist wieder auf 104,1 Liter pro Kopf gesunken, und neben den Produkten der OAB (u. a. Bergquell-Pilsener, Osnabrücker Edel-Export) sind auch andere Biere nicht mehr zu bekommen, die 1960 ausgeschenkt wurden. So gab es z. B. das Langenberger Pils, dessen Bierdeckel mit der Aufschrift „Plagt dich Kummer oder Ärger, trinke Dittmann’s Langenberger“, heute als eine launige Randnotiz in der Geschichte des Bierkonsums gilt. Ein glatzköpfiger Herr war darauf zu sehen, der, wenn man den Deckel um 180 Grad drehte, einen mürrisch oder gut gelaunt anschaute. Weitere Biersorten, für die an den noch zahlreicher vorhanden Kneipen aufwendig gestaltete Schilder warben, sind kaum noch bekannt: Das Isenbeck Bier aus Hamm, Dortmunder Union, Dortmunder Ritter Bier oder das Herrenhäuser Pilsener. Längst sind die Brauereien nicht mehr existent oder von anderen übernommen worden.

 

Der Text ist in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "OsnabrĂĽcker Wisssen" erschienen: http://www.osnabruecker-wissen.de