Exponat "Aus dem Depot"

Wo zog der „Comet“ seine Bahn?

"Comet" Tischtennisbälle, Fotografie: Maren Kiupel, Osnabrück


Zunächst produzierte Anton Hagedorn (1849-1926) landwirtschaftliche Geräte, verarbeitete dann Kork u. a. zu Handgriffen für Fahrradlenker, um sich anschließend, inspiriert durch seinen Geschäftspartner Paul Meyer, der Herstellung des Kunststoffes Zelluloid zuzuwenden. Viele Zeitgenossen sahen in dem industriell hergestellten Thermoplast eine Art Zauberstoff, der sich aufgrund seiner vielseitigen Verwendbarkeit bald großer Beliebtheit erfreute. Mit Zelluloid ließen sich Imitate von Luxusartikeln aus Naturprodukten wie Elfenbein, Bernstein, Korallen, Schildpatt oder Perlmutt formen. Die Entwicklung des Zelluloidfilmes (Rollfilm, Kleinbildfilm) bescherte der Fotografie und dem Film ungeahnte Möglichkeiten.
Die „Hagedorn & Compagnie. Kork- und Celluloidwaren-Fabrik“ bediente die Konsumenten ab 1899 mit Spielwaren, Fahrrad- und Toilettenartikeln, Produkten für fotografische Zwecke sowie bunten „Beadsketten“, die das Unternehmen für den Handel in afrikanischen Kolonialstaaten fertigte. Die rasche Ausdehnung der Fabrikanlagen an der Lotter Straße dokumentierte den beachtlichen Aufschwung, den das Unternehmen nach 1900 nahm.
Mit der Produktion von Tischtennisbällen begann Hagedorn bereits vor dem Zweiten Weltkrieg. Mit dem „Comet“, der bis Ende der 1960er Jahre produziert wurde, entstand ein Markenartikel für sportliche Zwecke. Für die Herstellung eines Tischtennisballes wurden runde Zelluloidscheiben ausgestanzt, auf etwa 100 °C erhitzt und im Tiefziehverfahren in einer Hohlform zur Halbkugel gepresst. Anschließend beschnitt man die Ränder der Halbkugeln und verklebte sie miteinander. Nachdem die Klebenaht noch einmal beschnitten worden war, wurde der Ball durch Erhitzen in einer Kugelform auf die endgültige Größe aufgeblasen. Abschließend erhielten die Bälle in einer rotierenden Trommel und mittels des beigefügten Bimsmehles ihr Endgewicht und ihre endgültige Form.
Tischtennisbälle der Marke „Hanno“ waren die letzten Produkte, die Hagedorn aus Zelluloid herstellte, 1989 gab das Unternehmen diese Produktion endgĂĽltig auf. Im Gedächtnis der OsnabrĂĽcker BĂĽrger wird die Zelluloidfabrik Hagedorn wohl auch deswegen bleiben, da es dort hin und wieder brannte, denn   das ist der Nachteil des Zauberstoffs   Zelluloid ist sehr leicht entflammbar.

 

Der Text ist in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "OsnabrĂĽcker Wissen" erschienen: http://www.osnabruecker-wissen.de