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Sonderausstellungen - Archiv 2008

2008

Magie des Steinkohlenwaldes. Fossile Funde am Piesberg |

21.10.2007 - 04.05.2008

Die Ausstellung „Magie des Steinkohlenwaldes“ entführt die Besucher in eine Welt vor 300 Millionen Jahren.

Die Luft ist feucht und warm, Nebelfelder ziehen über ausgedehnte Sumpfmoore und verdecken mit üppig wachsenden Wäldern das helle Sonnenlicht. Von Zeit zu Zeit hört man das leise Summen einer riesigen Libelle, das Plätschern der sich im Wasser tummelnden Amphibien, aber es gibt weder Vogelgezwitscher noch im Dickicht raschelnde Geräusche umherstreifender Säugetiere. Die Pflanzenwelt ist blütenlos, doch die vielfältigen Wuchsformen der Schachtelhalme, Farne und hochwüchsigen Schuppen und Siegelbäume lassen den Steinkohlenwald keinesfalls eintönig wirken. Es ist vielmehr eine uns fremd, nahezu geheimnisvoll erscheinende Welt, die Zeit, als Europa am Äquator lag und die mächtigen Steinkohlenlager entstanden.

Rund 300 Millionen Jahre später fing der Mensch an, eben diese Kohle zu fördern und entdeckte zeitgleich die faszinierende Welt der Karbonfossilien. So auch am Piesberg, der mit seinem großen Fossilienreichtum eine wichtige Rolle in der Paläontologie einnimmt. In der Sonderausstellung »Magie des Steinkohlenwaldes« erfährt der Besucher nicht nur etwas über die Entstehungsgeschichte der karbonischen Kohlenlager, sondern er wird auch in die Anfänge der Paläontologie zurückversetzt.

 Eine historische Fossiliensammlung des Piesberges aus dem 19. Jahrhundert sowie detailgetreue Zeichnungen verschiedenster Fossilfunde aus dieser Zeit spiegeln das frĂĽhe wissenschaftliche Interesse an der EntschlĂĽsselung vergangenen Lebens wider. Ziel der Paläontologen war stets die möglichst exakte Rekonstruktion urzeitlicher Lebensräume mit ihrer Tier- und Pflanzenwelt. Diese in der Ausstellung zu sehenden gemalten Interpretationen sind somit nicht völlige Fiktionen, weil hinter jedem einzelnen Objekt intensive wissenschaftliche Nachforschungen stecken.

Wenn der Besucher dann auf ein metergroß, leuchtendes Karbonwald-Panorama zugeht und in diesem Pflanzen und Tiere entdecken kann, die als reale Fossilienreste in der Ausstellung präsentiert sind, wird die Magie des Steinkohlenwaldes deutlich fühlbar. Wer verspürt nun nicht selbst Lust, auf die Suche nach Fossilien zu gehen und Neues zu entdecken? In einem weiteren Raum kann man diesem Wunsch nachgehen. Dort sind in einem inszenierten Steinkohlenwald weitere urzeitliche Spuren aus dem Karbon zu erforschen.

FĂĽr Schulklassen, Kindergärten und Gruppen bietet das Museum begleitend zu der Ausstellung ein umfangreiches museumspädagogisches Programm, wie zum Beispiel „Fossiliensuche am Piesberg“ und „Kinder machen eine Ausstellung“ an. AusfĂĽhrliche Informationen erhalten Sie Mittwochs bis Sonntags von 10.00 – 18.00 Uhr,  unter der Telefonnummer 0541/12 24 47.

Museum Industriekultur Osnabrück, Haseschachtgebäude

 

Gezeichnet und Vermessen. Historische Kartenwerke aus OsnabrĂĽck. |

11.11.2007 - 06.04.2008

Karten, Zeichnungen und Pläne dienen der Orientierung, sie werden vom Militär genutzt, optimieren das Erheben von Steuern oder skizzieren die zukünftige Entwicklung einer Stadt. Zahllose Geometer oder Landmesser haben sich mit ihren Instrumenten aufgemacht, um die Welt zu vermessen, haben die Ergebnisse ihrer Arbeit aufgezeichnet und uns damit Zeugnisse hinterlassen, mit denen sich Geschichte erzählen lässt. Die Erkenntnisse, die wir durch derartige »Aufzeichnungen« gewinnen konnten, haben maßgeblich dazu beigetragen, den Kosmos des Wissens zu bereichern.

Gemeinsam mit dem Niedersächsischen Staatsarchiv Osnabrück und dem Fachdienst Geodaten der Stadt Osnabrück zeigt das Museum Industriekultur aus dem umfangreichen Bestand des Staatsarchivs eine Auswahl an historischen Originalkarten, die für die Öffentlichkeit ansonsten kaum einsehbar sind.

Die weitgehend aus dem 19. Jahrhundert stammenden Exponate sind einzelnen Themen (Stadtpläne, Hasefluss, Wälle und Bastionen, Neumarkt, StadtgrĂĽn) zugeordnet, eröffnen einen Ăśberblick und dokumentieren daneben einzelne Orte städtischen Lebens. Zahlreiche Karten zeigen die Stadt und das städtische Umfeld vor der groĂźen Transformation, die das Industriezeitalter mit sich brachte. Gleichsam als Zeugnisse einer Welt, die sich ständig verändert, halten diese Zeichnungen das Alte fest, um daran das Neue zu skizzieren. 


Museum Industriekultur Osnabrück, Haseschachtgebäude

Die Putzfrau. Vom Dienstmädchen zur Raumpflegerin |

15.05.2008 - 19.10.2008

Staubsaugen und Staubwischen, Treppenhäuser, Büroräume und Toiletten reinigen – das ist die Domäne der Raumpflegerin. Täglich widmet sie sich dem Kampf gegen den Schmutz, ob allein oder in einer Reinigungskolonne. Ihr stellt sich eine komplexe Aufgabe, die den vollen Einsatz fordert, Tag für Tag von neuem. Reinigungskräfte sind in Industriebetrieben tätig, in kommunalen Verwaltungsgebäuden, Hotels, Verkehrsmitteln und Institutionen wie Schulen, Krankenhäusern und Bürogebäuden ebenso wie in Privathaushalten oder in den Treppenhäusern großer Wohnanlagen.

Die Ausstellung „Die Putzfrau. Vom Dienstmädchen zur Raumpflegerin“ stellt die spezielle Lebens- und Arbeitssituation von dienstbaren Geistern in den Fokus, die sich früher in bürgerlichen Haushalten nützlich machten und sich im Laufe der Jahrzehnte zu modernen Raumpflegerinnen entwickelten. Anhand zahlreicher Exponate werden ihre vielfältigen Tätigkeiten aufgezeigt, Reinigungsmittel im Wandel der Zeit vorgestellt sowie die technische Entwicklung der Hilfsmittel: vom Waschbrett bis zum modernen Reinigungsautomaten, der saugt und schrubbt. Filme, Werbespots, Fotos und elektrische Gerätschaften als Ausstellungsstücke runden den Blick in die Welt der „Putzfrau“ ab.

Obwohl wir uns täglich in den Arbeitsbereichen von Raumpflegerinnen aufhalten, bleibt ihre Tätigkeit meistens unentdeckt, denn sie verrichten ihren Dienst am frühen Morgen oder am Abend. Wir erfreuen uns an dem Ergebnis, denn Sauberkeit ist hierzulande eine ganz besondere Tugend – gute Bedingungen also für das heute extrem expandierende Dienstleistungsgewerbe. Ob privater Haushalt, Büro oder klinisch sauberer „Reinst-Raum", in dem moderne Elektro-Chips produziert werden: Sauberkeit war und ist gefragt. Wir lieben es gründlich, porentief, streifenfrei, duftend und hochglanzpoliert.

Seit Generationen arbeiten überwiegend Frauen in diesem Dienstleistungssektor, früher als Dienstmädchen, später als Raumpflegerinnen. Heute wird von ihnen erwartet, dass sie große Flächen in immer kürzerer Zeit putzen. Als Helfer stehen ihnen dafür modernste elektrische Geräte und Maschinen zur Verfügung. Dennoch bleibt es schwere körperliche Arbeit, die gesellschaftlich kaum anerkannt ist und nicht übermäßig entlohnt wird. Stattdessen steigen die Anforderungen: Früher hat eine Reinigungskraft circa 40 bis 50 Quadratmeter in der Stunde gereinigt, heute liegt der Standard zwischen 200 und 400 Quadratmeter. Dabei sorgt die Logistik in den Firmenzentralen dafür, dass die Kolonnen möglichst effizient eingesetzt werden können.

Historische, soziale und technische Aspekte und Bedingungen, die in der Ausstellung unter die Lupe genommen werden, täuschen dabei nicht über die Tatsache hinweg, dass der Job im Reinigungsgewerbe von Menschen gemacht wird. Hier ist der Roboter noch weitgehend Zukunftsmusik.

Museum Industriekultur Osnabrück, Magazingebäude

FEIERABEND! |

14.12.2008 - 15.02.2009

Elisabeth Lumme schafft in ihrer multimedialen Installation "Feierabend!" eine bühnenähnliche Inszenierung, die vielfältige Bezüge zu ihrer Umgebung aufnimmt.

In das historische Ambiente des Kohlenbergwerks, einer Domäne der männlich geprägten Industriearbeit, dringt ein Weibsbild ein, nach dem Verständnis der Bergarbeiter ein untrügerische Zeichen für heran nahendes Unglück. Ihr stummes Mühen ist unnachgiebig während ihr Zuruf in verschiedene Richtungen schallt. Dieser Ruf steht für das Ende einer bewegten Industrie- und Arbeitergeschichte mit ihren ökologischen Krisen, für die Grenzen des Machbaren, für Uneinlösbares oder für unser mögliches Scheitern.